Das Tattoo eines fremden Mädchens enthüllte das dunkelste Geheimnis meiner Familie
Die Luft im "Goldenen Adler" roch nach altem Frittieröl, billigem Kaffee und jahrzehntelanger Melancholie. Erik saß in einer der abgewetzten, gelben Kunstlederbuchten am Fenster, die Sonnenbrille tief ins Gesicht gezogen, obwohl die Nachmittagssonne nur matt durch die staubigen Scheiben drang. Mit seinen fünfundvierzig Jahren, dem dichten, grauen Vollbart und der kahlen Stirn wirkte er wie ein Mann, der schon vor langer Zeit beschlossen hatte, unsichtbar zu werden. Er starrte auf den halb gegessenen Burger vor sich, als ein Schatten auf den Tisch fiel.
Eine unerwartete Begegnung
Ein junges Mädchen, kaum zwanzig Jahre alt, im grauen Kapuzenpullover und mit einem hastig zusammengebundenen blonden Pferdeschwanz, trat an seinen Tisch. Sie sagte kein Wort. Stattdessen streckte sie langsam ihren linken Arm aus und zog den Ärmel nach oben. Erik wollte sie schon wegschicken, doch dann fror jede Bewegung in ihm ein. Auf ihrer Haut prangte ein kunstvolles Tattoo: ein stilisierter Phönix, der aus einer Spirale emporstieg. Es war kein zufälliges Motiv. Es war die exakte Zeichnung, die sein verstorbener Sohn Lukas entworfen hatte.
Mit zitternden Fingern streckte Erik seine Hand aus und berührte sanft ihren Unterarm. Die Realität schien um ihn herum zu verblassen, während er den Blick hob und sie durch seine dunklen Gläser musterte.
"Woher hast du dieses Tattoo, Kleines?", fragte er mit rauer, fast flüsternder Stimme.
Das Mädchen blickte nervös zu Boden, ihre Schultern bebten leicht vor unterdrückter Angst.
"Von meinem Bruder", antwortete sie leise, und ihre Stimme brach bei dem letzten Wort.
In diesem Moment bemerkte Erik zwei Gestalten, die den Gastraum betraten – Männer in dunklen Mänteln, deren Gesichter ihm nur zu bekannt waren. Es waren dieselben Männer, die mit dem mysteriösen Tod seines Sohnes in Verbindung standen. Die Gefahr war real, und sie war genau hier.
"Du solltest nicht hier sein", flüsterte Erik beschwörend, während er hastig aufstand und sie am Handgelenk packte. "Komm mit, wir bringen dich weg, bevor sie dich sehen."
”"Komm mit, wir bringen dich weg, bevor sie dich sehen."