Das zitternde Mädchen im Regen veränderte das Leben dieser harten Biker für immer
Marcus und seine Männer saßen in der dunklen, nach altem Fett und kaltem Kaffee riechenden Ecke der Raststätte „Zum Wilden Eber“. Draußen peitschte der kalte Novemberregen unbarmherzig gegen die beschlagenen Fensterscheiben. Die Atmosphäre war schwer, geprägt von der Müdigkeit einer tagelangen Fahrt durch das graue Hinterland. Vier Männer in schweren Lederjacken, verziert mit Totenkopf-Patches und den charakteristischen Schlangen-Tattoos ihres Clubs, saßen schweigend um den zerkratzten Plastiktisch.
Plötzlich öffnete sich die schwere Eingangstür. Ein kalter Windstoß fegte durch den Raum und ließ die spärlichen Gäste frösteln. Marcus, ein Hüne von einem Mann mit kahlem Kopf und dichtem, grau meliertem Vollbart, blickte auf. Seine Augen verengten sich. In der Tür stand eine winzige Gestalt.
Es war ein kleines Mädchen, kaum sieben Jahre alt. Sie war klatschnass, ihr aschblondes Haar klebte ihr wirr im Gesicht, und ihre Wangen waren mit Schmutz verschmiert. Sie trug nur ein dünnes, zerrissenes braunes Sommerkleid, das völlig ungeeignet für die bittere Kälte war. In ihren dünnen Armen hielt sie krampfhaft einen alten, abgenutzten Teddybären umklammert. Sie zitterte so stark, dass man das Klappern ihrer Zähne fast hören konnte.
Marcus beugte sich über den Tisch zu seinem Clubbruder Jackson, dessen Gesicht von einer markanten Narbe gezeichnet war.
„Siehst du sie?“, fragte Marcus mit tiefer, rauer Stimme.
Jackson, der seinen Kaffeebecher hielt, blickte auf und musterte das Kind sekundenlang. Ein seltener Ausdruck von Besorgnis huschte über seine harten Züge.
„Ja“, entgegnete er knapp.
„Die Kleine hat Mut, steht einfach so da“, murmelte Marcus nachdenklich. „Vielleicht hat sie niemanden mehr?“
„Hmm, genau“, erwiderte Jackson leise.
Die vier Biker erhoben sich wie ein Mann von ihren Plätzen. Ihre schweren Stiefel dröhnten auf dem Linoleumhölzer. Die anderen Gäste hielten den Atem an, als die hünenhaften Gestalten in Leder auf das schutzlose Kind zugingen. Doch die Männer liefen schweigend an ihr vorbei, direkt auf den Ausgang zu, um die Lage draußen zu sondieren.
”Doch die Männer liefen schweigend an ihr vorbei, direkt auf den Ausgang zu, um die Lage draußen zu sondieren.